Montag, 20. November 2017

I have a dream … that all genres are treated equally

Alle Jahre wieder …

Es geht mir immer wieder auf den Zeiger, dass wir angeblich auf allen Gebieten Gleichberechtigung anstreben, aber doch überall Gruppen oder Einzelne unterbuttern. In Alltag und Politik liegt es auf der Hand – sollte es wenigstens, was es auch nicht besser macht. Das gilt aber eben auch für die Kunst. In diesem speziellen Fall - kurz ausgeliehen - für die Literatur.

Mal abgesehen davon, dass kein Preis und keine Auszeichnung der Welt ein Buch zu einem guten Buch machen, sondern jeder Leser das individuell jedes Mal wieder für sich selbst entscheidet und sieht, ob er persönlich etwas daraus zieht, kann ich es nicht mehr lesen/hören, dass mit Vorliebe Fantasy, Sci-Fi und Horror (ja, immer noch, nach all den Jahren) als platt und oberflächlich bezeichnet werden, keinen Tiefgang haben, keine ‚wichtigen‘ Themen anschneiden etc. Mit Verlaub gesagt: das ist Bullenhaishit! Natürlich gibt es in den Bereichen ‚leichte‘ Lektüre, Trash, was auch immer. Aber das ist in JEDEM Genre so, und ich möchte dem nicht mal seinen eigenen Reiz absprechen. Zumal ‚wichtig‘  eine sehr subjektive Kategorie darstellt.
Wer so daher plappert, hat offenbar noch nicht mal an der Oberfläche der jeweiligen Genres geschabt. Gesellschaftskritik, das Offenlegen von Ängsten, Bespiegelung moralischer oder politischer Verhältnisse usw. sind seit jeher Teil der Phantastik gewesen und kein beträchtlich kleiner dazu.
Nur weil es mal keine Nazis oder Sklaven sind, die uns präsentiert werden, können dennoch genau jene ‚großen‘ Themen behandelt werden, und ihr werdet es kaum glauben, auch noch eine Menge anderer dazu. Womöglich werden sie bloß anders verpackt. Nicht ganz so offensichtlich, auf etwas abstrahiertem Niveau vielleicht. Genau genommen, könnte man da gar von höherem Anspruch sprechen (wenn man denn wollte), weil diese Art von Werk sogar auf mehr Ebenen gebrochen, gespiegelt, gefiltert und durchdacht  worden ist als die blanke Abbildung realistischer Begebenheiten. Aber es geht mir nicht darum die hierarchischen Verhältnisse umzukehren.

Jedes Genre hat seine Berechtigung in all seinen Facetten zu existieren. Keines ist ‚besser‘ als das andere. Natürlich mögen wir mitunter für uns persönlich ein bestimmtes präferieren, aber das gibt niemandem das Recht die anderen abzuwerten. Zumal mir nicht mal ein echter Grund dafür einfallen mag, das überhaupt tun zu wollen. Was hat man davon? Gibt es sonst nichts zu tun – Müll rausbringen, Hungersnot bekämpfen? Muss man sich sogar schon wegen solcher Dinge streiten und beleidigen?
Wir können gerne Meinungen diskutieren und unterschiedlich interpretieren. Teilt mir gerne mit, warum ihr was schöner, interessanter, bewegender, lustiger, melancholischer findet als etwas anderes, aber bitte verschont mich vom Missionieren.

Es wäre so wohltuend, wenn wir uns endlich aus dieser dummen Dauerspirale verabschieden könnten, in der wir in dem ständigen Versuch kreisen ein Genre, einen Künstler, einen Gott als allgemein gültig über den anderen zu erheben.

Ein Hoch auf die Vielfalt! Oder: Lesen und lesen lassen!
Schreibt und malt und denkt und komponiert, was ihr wollt. (ß Ich fasse es nicht, dass es nach wie vor solcher Freiheitsplattitüden bedarf.)
Nicht alles ist für jeden Gold. Möglicherweise mögen manche Silber sowieso lieber. ;)


Euer vor Rage zitternder – na gut, doch wohl eher kopfschüttelnder – Bilingu-Aal Wordsworth Weirdworld

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